Beginnjahr 2017 Abschlussjahr 2019

Institutionen

durchführende Institutionen

Personen

ProjektleiterInnen+Ansprechpersonen MitarbeiterInnen
Ländercode Österreich Sprachcode Deutsch
Schlagwörter DeutschSprachunterricht
Abstrakt

Digitale Medien bieten im Sprachunterricht die Möglichkeit, individuelle Lernumgebungen zu unterstützen, das selbstständige Arbeiten der Lernenden zu fördern, Mehrsprachigkeit zu erhalten und aufzubauen und zeitliche und örtliche Barrieren abzubauen. Das Design, die Durchführung und die Reflexion digital gestützter Lehr- und Lernformate in allen Schulfächern sind außerdem kompatibel mit der aktuellen Strategie des BMB („Schule 4.0“), die unter anderem die Notwendigkeit des „einfachen und kostenfreien Zugangs zu digitalen Lehr- und Lernmaterialien“ unterstreicht und mit „modellhafte[n] Einsatzszenarien [...] den Pädagoginnen und Pädagogen Beispiele [aufzeigen will], wie sie digitale Medien wirksam in ihren Unterricht einbeziehen können.“ (BMB Homepage, Jänner 2017)

Mit genau diesem Ziel werden von den Mitarbeiter/innen der Sprachenwerkstätte der Pädagogischen Hochschule (http://www.ph-burgenland.at/ueber/forschung-und-entwicklung/sprachenwerkstaette/) neue und innovative Lehr- und Lernmaterialien für den Einsatz an den zweisprachigen Schulen (Burgenlandkroatisch/Ungarisch) im Burgenland entwickelt. Dies sind einerseits analoge Materialien, andererseits aber auch interaktive, multimediale Ressourcen, die über die an der Pädagogischen Hochschule verankerten österreichweiten Lernplattform LMS.at - Lernen mit System verfügbar sind (lms.at/otp).

Die Entwicklung dieser analogen und digitalen Materialien für den burgenlandkroatischen Sprachunterricht ist von äußerster Wichtigkeit, weil Burgenlandkroatisch aufgrund des Minderheitenstatus eine besondere Stellung im burgenländischen Schulsystem einnimmt. Aufgrund der geringen Anzahl an zweisprachigen Schulen, an denen Burgenlandkroatisch unterrichtet wird, ist diese Sprache für Schulbuchverlage aus ökonomischen Gründen wenig attraktiv, und folglich auch in der Initiative der digitalen Schulbücher digi4school (https://digi4school.at) nicht berücksichtigt. Im Vergleich zum Unterricht in Fremdsprachen wie Englisch oder Französisch gibt es überdies im allgemeinen wenige bis gar keine zusätzliche, digitale Lehr-und Lernmaterialien, auf die Lehrpersonen zurückgreifen könnten, was die Umsetzung moderner Lernformen wie „Blended Learning“ erschwert.

Im Kontext dieser Rahmenbedingungen ist die Entwicklung des Schulbuches „Na putu 1“ für die 5. Schulstufe Burgenlandkroatisch zu sehen, das an der Pädagogischen Hochschule von den Mitarbeiter/innen der Sprachenwerkstätte erstellt und ab dem Schuljahr 2017/18 den zweisprachigen Schulen zur Verfügung steht. Das Lehrbuch ist kompetenzorientiert aufgebaut und bietet in jedem Kapitel Übungen zum Hören, Sprechen, Schreiben und Lesen. Am Ende jedes Kapitels können sich Lernende bezüglich ausgewählter Kompetenzen selbst einschätzen. Eine Variation von unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden bei den Aufgaben soll einen breiten Einsatz ermöglichen, da gerade bei den Volksgruppensprachen die Gruppe der Lernenden sehr heterogen ist, und die Schüler/innen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen in die Sekundarstufe übertreten.

Um sicherzustellen, dass moderne Unterrichtsmaterialien flächendeckend im Burgenland – und zwar auch im Kroatischunterricht - zum Einsatz kommen, und um den Mehrwert digitaler Medien in diesem Unterrichtsfach zu untersuchen, soll zum Schulbuch ein digitaler, theoriebasierter Schulbuchzusatz entwickelt und evaluiert werden. Dies bedeutet, dass die Vermittlung des Lehrstoffes zusätzlich zum Input der Lehrperson mit dem Schulbuch auch mit interaktiven und multimedialen Inhalten, die sich direkt auf die Inhalte im Schulbuch beziehen, erfolgen soll.  Im Sinne der Individualisierung und Differenzierung, denen ja - wie bereits erwähnt - vor allem im Kroatischunterricht große Bedeutung zugemessen werden muss, sollen eine Reihe an Materialien zum Fordern und Fördern entstehen. Diese Übungen werden, nach Kapitel bzw. Kompetenzbereichen strukturiert, in einem Musterkurs auf LMS.at zur Verfügung stehen und von jeder Lehrperson im „Blended Learning Setting“ in den Unterricht bzw. als zusätzliches Angebot zum Üben und Festigen des Lehrstoffes außerhalb der Schule eingesetzt werden können. Darüber hinaus soll der digitale Schulbuchzusatz den kompetenzorientierten Charakter des Schulbuches unterstreichen und die zu erwerbenden Kompetenzen nicht nur abbilden, sondern auch den Prozess des Kompetenzerwerbs sichtbar machen. Weiters soll im Musterkurs in der Anwendung BESSER LERNEN jedem Schüler/jeder Schülerin ein persönlicher Lernraum zur Verfügung stehen, der es Schüler/innen und Lehrer/innen ermöglicht, individuelle Lern- und Übungsfortschritte jederzeit einzusehen. Kompetenzchecks zur Sicherung des Lernertrags sollen Lehrpersonen bei der Gestaltung des weiteren Unterrichts unterstützen. Ein zum Buch passender Vokabeltrainer rundet das digitale Zusatzangebot ab.

Das Forschungsprojekt untersucht anhand des oben beschriebenen Szenarios die Effektivität und Effizienz des Zusammenspiels von analogem und digitalem Material im Sprachenunterricht. Durch die Datenerhebung bei Schüler/innen (Fragebogen, Beobachtungen) und Lehrer/innen (qualitative Interviews) sollen die Möglichkeiten, Chancen und Grenzen eines digitalen Schulbuchzusatzes beleuchtet werden. Die Ergebnisse sollen in die Konzipierung eines möglichen digitalen Schulbuchzusatzes für die weiteren Bände der Schulbuchreihe „Na putu“ einfließen. Außerdem sollen die gewonnen Erkenntnisse dazu dienen, digitale Medien innovativ und nachhaltig in die Methodik des Sprachunterrichts zu integrieren und damit zu einer Weiterentwicklung des Sprachenlernens insgesamt beitragen.

Methode

Im Sinne einer Methodentriangualtion werden sowohl quantitaive als auch qualitative Methoden eingesetzt.

Erhebungstechniken und Auswahlverfahren

Die Lehrer/innen, die diese digitalen Schulbuchzusatzmaterialien einsetzen sollen, werden in einem eintägigen Workshop an der PH Burgenland geschult, um einen möglichst standardisierten Umsetzungsprozess zu gewährleisten.

Das Forschungsteam betreut die Lehrer/innen über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg über Diskussionsforen und per Mail. Jede Schule soll zumindest einmal besucht werden und der Unterricht videografiert werden. Dies soll in den ersten drei Monaten erfolgen, um bei Bedarf Inputs zum geplanten Einsatz zu leisten und den Lehrer/innen mehr Sicherheit beim Einsatz des digitalen Zusatzmaterials zu geben.

Die Lehrer/innen führen ein “Forschungstagebuch”, in dem sie ihre persönlichen Erfahrungen mit den digitalen Unterrichtsmaterialien dokumentieren und dem Forschungsteam die Möglichkeit geben, schnell unterstützend einzugreifen, wenn Bedarf besteht.

Nach ca. 7 - 8 Monaten Einsatz wird per Fragebogen die Perspektive der Schüler/innen erhoben und deskriptiv ausgewertet. Die Datenerhebung bei den Lehrer/innen erfolgt mittels qualitativer Leitfadeninterviews, die Auswertung nach der zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Mayring.

Internet (pages + downloads)
Hauptkategorie(n)Bildungsinhalt (Themenfeld)
Lehren und Lernen (Prozesse und Methoden)
Information, Kommunikation, Statistik
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