Beginnjahr 2009 Abschlussjahr 2010

Institutionen

durchführende Institutionen übergeordnete/aktuelle Institutionen finanzierende Institutionen

Personen

ProjektleiterInnen
Ländercode Österreich Sprachcode Deutsch
Schlagwörter DeutschBibeldidaktik, Hördidaktik, Theologisieren mit Kindern
Abstrakt

Aufbauend auf der Untersuchung zur "Wahrnehmung von Heranwachsenden als Hörende im (biblisch orientierten) Theologisieren mit Kindern", die bei den SchülerInnen eine breite Streuung von Verstehensweisen gleichzeitig im Unterrichtsgeschehen vernommener Texte gezeigt hat, soll nun der Frage nachgegangen werden, wo die Weichen für die Entstehung unterschiedlicher Verstehensweisen gestellt werden.

Die Pilotstudie konzentriert sich mithin auf die Untersuchung der Entwicklung des Verständnisprozesses von biblischen Geschichten in möglichster Textnähe, also im Verlauf des sequentiellen Lesens größerer Erzählabschnitte. Im Unterschied zu Post-Lektüre-Analysen, in denen hohe Anforderungen, an das Gedächtnis gestellt werden, operieren "online"-Lese-Untersuchungen näher an den Verstehenskonstruktionen rund um den aktuellen Lektüreprozess selbst.

Ziel ist es auch, Ansätze einer empirischen Bibeldidaktik an der KPH Wien/Krems weiter zu entwickeln, in der unter Bezugnahme auf empirische literaturwissenschaftliche Methoden Lektüreprozesse von schulischen HörerInnen bzw. LeserInnen biblischer Texte in den Blick genommen werden, um daraus Einblick in Begegnungsmöglichkeiten und -schwierigkeiten an der Schnittstelle Text-LeserIn zu gewinnen.

Der erhoffte Gewinn liegt dabei nicht darin, "den" Rezeptionsprozess schlechthin zu durchschauen oder die Vielfalt faktischer Rezeptionsweisen zu quantifizieren oder gar zu reduzieren, sondern in der Illustration der Offenheit und Diversität von Rezeptionsprozessen.

 

MethodeAus einer Reihe von schulisch relevanten und für die praktische Umsetzbarkeit tauglichen Texten fällt die Entscheidung auf Lukas 15,11-38 als Bibeltext, an dem die Untersuchung konkretisiert wird. Die vermutete Bekanntheit des Textes erscheint als Chance, dass SchülerInnen leichter Zugänge finden und sich auch artikulieren können. Der Text wird in der Fassung der Einheitsübersetzung einer Gruppe von ProbandInnen vorgelegt, die Sinneinheiten markieren, die sich daraus ergebenden Abschnitte werden exegetisch auf Kompositionsstrukturen überprüft und daraufhin in sieben Textabschnitten für die sequenzielle Lektüre vorbereitet. Methoden des "Lauten Denkens" scheinen dafür geeignet, Verstehenskonstruktionen während des Leseprozesses offen zu legen, weil "Äußerungen der Proband/inn/en einen (...) Einblick in die spontanen Lesereaktionen und den Prozess der Entwicklung eines kohärenten Verstehens des sequenzweise gelesenen Textes bieten" . Dabei steht im Mittelpunkt das Interesse wahrzunehmen, wie LeserInnen unter Bezugnahme auf Ihr (Welt-)Wissen, Fühlen, Verstehen, Sich-Hineinversetzen usw. mit dem Text kommunizieren bzw. diesen Stück für Stück persönlich re-konstruieren. Zwölf „Interviews“ werden analysiert, in denen SchülerInnen jeweils einen Textabschnitt aus Lk 15 nach dem anderen laut vorlesen und dazu jeweils unmittelbar ihre Reaktionen äußern. Die Interviewenden ermutigen die SchülerInnen, (Nach-)Fragen oder Beeinflussungen werden vermieden. Das gesamte Interview wird aufgezeichnet, transkribiert und durch schriftlich mitprotokollierte Aufzeichnungen ergänzt.
ErgebnisseAls Zwischenergebnis lässt sich jedoch bereits festhalten, dass die gewählte Stelle den SchülerInnen weitgehend bekannt ist und sie ihre Überlegungen zu den einzelnen Abschnitten darlegen. Dabei zeigen sich jedenfalls Entwicklungen im Verständnis im Laufe des Vernehmens der Erzählung, bisweilen kommt es aber auch zu Brüchen bzw. Widersprüchen, wenn etwa die (möglicherweise als schulisch vermittelte, bereits bekannte) Gesamteinschätzung des biblischen Textes und die (aktuelle) Analyse einzelner Sequenzen unterschiedliche Akzente aufweisen. Auch Veränderungen in der Nähe zu einzelnen Figuren sind im Laufe des Leseprozesses auszunehmen, womit auch Veränderungen der inneren Distanz oder Nähe Hand in Hand gehen. Andrerseits zeigt sich, dass Bibelwissen (etwa über Gattungen, Gleichnisserzählungen usw.) kaum zur Interpretation herangezogen werden, weder die einzelnen Passagen noch die Gesamtdeutung zum Schluss betreffend. Weiters wird durch die Pilotstudie überprüft, ob mit dem Lauten Lesen ein Forschungsdesign zur Verfügung steht, mit dem Studierende im Rahmen ihrer Bachelorarbeiten selbständig Verständnisweisen von größeren biblischen Erzähleinheiten untersuchen und damit einen Beitrag für eigene bibeldidaktische Analysen gewinnen und zur Schwerpunktsetzung im Rahmen einer empirischen Bibeldidaktik beitragen können.
Erhebungstechniken und AuswahlverfahrenAusgewählt werden einzelne Schulklassen im Fach Religion. Dort läuft der spezielle Unterrichtsversuch mit Evaluierung.
Publikationen (+ link zum OBV)
  • Die Ergebnisse fließen ein in die Fachdidaktik-Lehrveranstaltungen an der KPH-Wien/Krems, Universität Wien, KFU Graz und in Veranstaltungen der LehrerInnen-Fortbildung ein.
Internet (pages + downloads)
Mit den Themen des Projekts weitersuchen