Beginnjahr 2007 Abschlussjahr 2012

Institutionen

durchführende Institutionen

Personen

ProjektleiterInnen+Ansprechpersonen MitarbeiterInnen
Ländercode Österreich Sprachcode Deutsch
Schlagwörter DeutschErinnerungslernen, Holocaust, Gedenkstättenpädagogik, Menschenrechte, Menschenrechtsbildung
Schlagwörter Englischcitizenship
Abstrakt

Deutsche Forschungsergebnisse über Gedenkstättenbesuche von Jugendlichen zeigen einen komplexen und oft nicht erwünschten Rezeptionsprozess auf. Die von den Verantwortlichen erhoffte Immunisierung gegen rechtsextreme Haltungen und die Verstärkung von positiven Werthaltungen wie Toleranz, Menschenrechtsbildung werden nicht erfüllt. Gedenkstättenpädagogik ist somit als komplexes Feld definiert.

Daher hat ein Forschungsteam der KPH Wien/Krems im Studienjahr 2008-2009 eine Voruntersuchung in der eigenen Praxishauptschule durchgeführt, die die deutschen Untersuchungsergebnisse zu bestätigen scheinen. Ausgehend von dieser Voruntersuchung wurde Kontakt aufgenommen mit der Gedenkstätte Mauthausen, vor allem mit dem pädagogischen Leiter, Yariv Lapid. Zusammen mit ihm und mit dem Team von erinnern.at  wurde das weite Forschungsfeld abgesteckt und Forschungsfragen formuliert.

MethodeMischung von qualitativ-empirischer Forschung, Inhaltsanalyse und Aktionsforschung – verbunden mit Rückkoppelung zum didaktischen Konzept und Schulung/Weiterbildung von guides in Mauthausen und von Lehrenden
ErgebnisseSchülerInnen: Die Täter werden von den SchülerInnen kaum benannt (weder als Nazi, noch als SS etc.). Die SchülerInnen haben selten Bezeichnungen für die Verfolgten: vielfach wird einfach von „Leuten“ gesprochen. Es besteht die Gefahr, dass sich das Prinzip eines KZ, die Häftlinge zu entpersonalisieren, auch in den Führungen wiederholt. Auswertung der Aufsätze Die Aufsätze zeigen ähnliche Muster von unerwünschter Rezeption auf: a) Eine emotionale Verteidigungshaltung gegen die Geschehnisse, die eine Sprachlosigkeit verursachen. b) Eine Formierung von eingekapselter Terrorsymbolik, die ein Projektionsbild für subjektive Gefühle wird und die während des Besuches durch Einzelheiten des Schreckens verstärkt wird. Dieses Muster beschwört eine defensive Haltung, die eine Lähmung intensiviert und eine Reflexion verhindert. c) Jugendliche werden von der Frage geleitet, wie der Terror sich aus der Sicht der Häftlinge abgespielt haben kann, wobei sowohl egozentrische und negative Emotionen als auch empathische Reaktionen zum Leiden der Inhaftierten ausgedrückt werden. Die SchülerInnen scheinen im Erlebnis stecken zu bleiben. Ein Transfer zur heutigen politischen, gesellschaftlichen und sozialen Situation wird nur an einigen Stellen sichtbar. Manchmal ist auch er von Sprachlosigkeit geprägt. Ein anderer Schüler beschreibt die zwei Öffentlichkeiten, die bei Krankenlager und Sportplatz aufeinander prallen: „Die SS spielte neben dem Lager Fußballigen die öffentlich bekannt waren. Ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass daneben die Leute gestorben sind.“ Er spürt die subtile Schamlosigkeit, wie die Körperlichkeit in der einen Wirklichkeit gelebt wird, in der anderen aber reduziert und ausradiert wird.
Erhebungstechniken und Auswahlverfahren

Ausgewählt wurden Schulen bzw. Klassen mit einem Schwerpunkt im Bereich "Erinnerungslernen (Holocaust)".

Die Kooperation mit der Gedenkstätte Mauthausen bietet sich natürlich an.

Das Projekt steht aber auch in einem weiteren internationalen Kontext durch Kooperationen mit Bildungsinstitutionen im EU-Raum.

 

Publikationen (+ link zum OBV)
  • Präsentation von Zwischenergebnissen am 1. Forschungsforum im Nov. 2011 Präsentation im Rahmen des DGfE-Kongresses in Osnabrück am 12. März 2012
  • Heribert Bastel, Christian Matzka, Helene Miklas: Holocaust Education in Austria. A (hi)story of complexity and ambivalence. In: Policies and Practices of Holocaust Education: International perspectives, Vol. 1, Prospects, Quarterly review of comparative education, Nr. 153, Springer Verlag 2010.
Internet (pages + downloads)
Hauptkategorie(n)Bildungsinhalt (Themenfeld)
Soziales Umfeld (Gesellschaft, Kultur, Sprache und Religion)
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