Beginnjahr 2013 Abschlussjahr 2014

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ProjektleiterInnen
Ländercode Österreich Sprachcode Deutsch
Schlagwörter DeutschAutonomie, Lehrende Pädagogische Hochschule
Schlagwörter Englischautonomy
Abstrakt

Das Bedürfnis nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Einbindung gelten nach der Selbstbestimmungstheorie nach Deci u. Ryan (1993) als psychologische Basisbedürfnisse. Ihre Befriedigung gilt im Besonderen in pädagogischen Kontexten für Lehrende wie auch Lernende als bedeutsam. In einer quantitativen Befragung von Lehrenden und Studierenden an Pädagogischen Hochschulen bzw. der Universität werden deren subjektiven Einschätzungen ihrer Befriedigung des Autonomiebedürfnisses, des Kompetenz-bedürfnisses und des Bedürfnisses nach sozialer Einbindung sowie deren subjektives Druckempfinden erhoben.

Methode

Die empirische Studie gewinnt Ihre Daten in einer Querschnittuntersuchung. In einer quantitativen Befragung von Eltern nicht großjähriger Kinder werden deren subjektiven Einschätzungen ihrer Befriedigung des Autonomiebedürfnisses, des Kompetenzbedürfnisses und des Bedürfnisses nach sozialer Einbindung sowie deren subjektives Druckempfinden erhoben. Das Vorgehen ist hypothesenprüfend. Ziel der Untersuchung ist es die vorliegenden Prüfhypothesen zu falsifizieren:

H1:

Es gibt bei Eltern nicht großjähriger Kinder einen Zusammenhang zwischen subjektiv empfundener Befriedigung ihres Autonomiebedürfnisses, Kompetenzbedürfnisses sowie Bedürfnisses nach sozialer Einbindung und Aspekten des subjektiven Druckempfindens.

H2:

Es gibt Unterschiede zwischen Eltern nicht großjähriger Kinder unterschiedlicher Bildungsabschlüsse in Bezug auf die subjektiv empfundene Befriedigung ihres Autonomiebedürfnisses, Kompetenzbedürfnisses und Bedürfnisses nach sozialer Einbindung.

H3:

Es gibt Unterschiede zwischen Eltern mit unterschiedlichem finanziellem Status in Bezug auf die subjektiv empfundene Befriedigung ihres Autonomiebedürfnisses, Kompetenzbedürfnisses und Bedürfnisses nach sozialer Einbindung.

H4:

Es gibt geschlechtsspezifische Unterschiede bei Eltern nicht großjähriger Kinder in Bezug auf die subjektiv empfundene Befriedigung ihres Autonomiebedürfnisses, Kompetenzbedürfnisses und Bedürfnisses nach sozialer Einbindung.

H5:

Es gibt bei Eltern nicht großjähriger Kinder Zusammenhänge zwischen der subjektiv empfundenen Befriedigung ihres Autonomiebedürfnisses, Kompetenzbedürfnisses und Bedürfnisses nach sozialer Einbindung.

H6:

Es gibt bei Eltern nicht großjähriger Kinder Zusammenhänge zwischen den einzelnen Aspekten subjektiven Druckempfindens.

Ergebnisse

Die Studie ging der Frage nach, ob und wie die Befriedigung des Autonomiebedürfnisses, des Kompetenzbedürfnisses und des Bedürfnisses nach sozialer Einbindung von Lehrenden und Lernenden an einer Pädagogischen Hochschule mit Aspekten subjektiven Druckempfindens zusammenhängen.

Es konnten Unterschiede zwischen Lehrenden und Studierenden in Bezug auf ihre subjektiv empfundene Befriedigung ihres Autonomiebedürfnisses, Kompetenzbedürfnisses, Bedürfnisses nach sozialer Einbindung gefunden werden. Während Lehrende die Befriedigung ihres Autonomie- und Kompetenzbedürfnisses signifikant höher bewerten, sind es die Studierenden, die ihr Bedürfnis nach sozialer Einbindung signifikant höher bewerten. Ebenso ergeben sich signifikante Unterschiede im Index Arbeits- und Zeitaufwand und im Index Stoff und Ziele. Diese beiden Aspekte werden von den Lehrenden als weniger druckinduzierend wahrgenommen.

Lehrende zeichnen sich somit durch höheres Autonomie- und Kompetenzerleben, Studierende durch höheres subjektives Druckempfinden aus. Das höchste Autonomieerleben empfinden Lehrende mit Doktorat/Habilitation.

Es gibt bei Lehrenden und Studierenden an einer Pädagogischen Hochschule einen reziproken Zusammenhang zwischen der subjektiv empfundenen Befriedigung ihres Bedürfnisses nach Autonomie/Kompetenz/sozialer Einbindung und Aspekten des subjektiven Druckempfindens. Subjektiv hoch empfundener Druck mindert das subjektive Autonomie- und Kompetenzerleben.

Stellt man einem Index aus allen Items zur Befriedigung des Bedürfnisses nach Autonomie/Kompetenz einen kumulativen Index Druck (Arbeit/Zeit/Stoff/Ziele) gegenüber, so korrelieren Autonomie-/Kompetenzerleben und Druck mit r = –,396. Damit klärt der Index Druck immerhin 15,7 % der Varianz des subjektiven Autonomie- und Kompetenzerlebens auf.

Die Indizes Autonomie und Kompetenz selbst korrelieren am deutlichsten mit r = ,352 und unterstreichen den Zusammenhang zwischen Kompetenz- und Autonomieerleben.

Die Studierenden unterschiedlicher Studienzweige (VS vs. NMS) unterscheiden sich nicht voneinander.

Bei den Lehrenden ist es die Gruppe der Höchstqualifizierten (Doktorat bzw. Habilitation), die sich signifikant von der übrigen Lehrenden unterscheidet. Die Befriedigung ihres Bedürfnisses nach Autonomie wird von ihnen mit einem Mittelwert von 3,85 signifikant höher bewertet als dies die beiden anderen Lehrendengruppen tun (MW = 3,29).

Die überdurchschnittliche Befriedigung der psychologischen Basisbedürfnisse von Lehrenden und Lernenden an der Hochschule wie auch das subjektive gering eingeschätzte Druckempfinden können grundlegend als positiv festgehalten werden. Der reziproke Zusammenhang zwischen den beiden Indizes zeigt aber auch auf, dass sich jegliche Maßnahmen, die ihrerseits Druck erhöhen, unmittelbar negativ auf das Autonomie- und Kompetenzerleben auswirken. Das individuelle Autonomieerleben Lehrender wie auch Studierender wiederum bildet die Grundlage für autonomieförderndes Lehrverhalten. Damit wirkt das Autonomieerleben in der vorberuflichen Sozialisation bis hin in die Ebene des konkreten Unterrichts (vgl. Martinek, 2007, S. 169f). Eine bisher noch nicht angesprochene Wirkung der Befriedigung dieser „basic human needs“ bezieht sich auf das Wohlbefinden und die seelische Gesundheit. Eine „Deprivation eines jeden dieser drei Bedürfnisse [beeinträchtigt] das Wohlbefinden oder [führt] zu einer Abneigung gegenüber bestimmten Lern- und Ausbildungsinhalten (Lewalter/Schreyer 2000)“ (Krapp u. Ryan, 2002, S. 73). Eine weitere zentrale Aussage der Selbstbestimmungstheorie der Motivation bezieht sich auf den Zusammenhang zwischen Autonomie- und Kompetenzerleben und der Ausprägung intrinsischer Motivation, welche „eine wichtige Bedingung für qualitativ anspruchsvolle Formen des Lernens“ (vgl. Ryan/LaGuardia 1999, Schiefele/Schreyer 1994)“ darstellt (Krapp u. Ryan 2002, S. 59). Intrinsische Motivation ihrerseits kann nur entwickelt werden, wenn sich eine Person kompetent und hoch wirksam fühlt und gleichzeitig ohne Zwang, Druck und Kontrolle von außen agieren kann (vgl. Krapp u. Ryan, 2002, S. 59).

Mit Blick auf die, im das österreichische Hochschulwesen derzeit laufenden Innovationsszenarien – Einführung des neuen Dienstrechts, hochschulautonome Curriculumsentwicklungen, Lehrer/innenbildung Neu – wäre vor dem Hintergrund der vorliegenden Befunde die Frage bedeutsam, welche Auswirkungen diese Reformmaßnahmen längerfristig auf das Autonomieerleben Lehrender an Pädagogischen Hochschulen haben werden. Ebenso erscheint der Zusammenhang zwischen Autonomieerleben angehender Lehrerinnen und Lehrer im Studium in ihrer Wirkung auf autonomieförderndes Lehrverhalten im späteren tatsächlichen Unterricht, vielleicht auch im Lichte weiterer Maßnahmen in der Lehrer/innenweiterbildung, als höchst interessantes zu vertiefendes Forschungsfeld.

Ist es unser Ziel autonomieförderndes Lehrverhalten in die Klassenzimmer bzw. in die Hörsäle zu bringen, so muss neben direkten intervenierenden Maßnahmen (autonomieförderndes Lehrverhaltenstraining, Schulung der Reflexionsfähigkeit, Methodentraining, …) auch den Lehrerinnen und Lehrern an den Schule und Hochschulen Autonomie- und Kompetenzerleben möglich gemacht werden.

Erhebungstechniken und Auswahlverfahren

Empirisch quantitative Querschnittuntersuchung

Hauptkategorie(n)Soziales Umfeld (Gesellschaft, Kultur, Sprache und Religion)
Verhalten und Persönlichkeit
Lehren und Lernen (Prozesse und Methoden)
Schulen und andere Bildungseinrichtungen
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