Beginnjahr 2013 Abschlussjahr 2014

Institutionen

durchführende Institutionen

Personen

ProjektleiterInnen
Ländercode Sprachcode
Schlagwörter DeutschForschendes Lernen, AuRELIA, Selbstbestimmung, Epochenunterricht
Schlagwörter EnglischInquiry Learning, AuRELIA, Self-determination, Epoch Education
Abstrakt

Ausgehend von einer Studierendeninitiative wurde von Seiten der Pädagogischen Hochschule Linz dem Wunsch nach Erfahrungsräumen für Studierende hinsichtlich neuer und offener Lernkulturen nachgekommen. Dabei wurde von den Studierenden die Idee verfolgt, sich als zukünftige Lehrerinnen und Lehrer  Konzepte nicht nur anzueignen oder diese im Rahmen der Schulpraxis auszuprobieren, sondern innovative Lernwege im pädagogischen Studium selbst zu durchlaufen. Für die Durchführung wurde das Konzept AuRELIA (Authentic Reflective Exploratory Learning and Interaction Arrangements) nach Reitinger (2013) herangezogen. Ein Team aus Studierenden und Lehrenden organisierten zwei Wochen entsprechend des AuRELIA Epochendesigns, an denen Studierende teilnahmen, um selbstbestimmt forschend zu lernen. Die Teilnahme erfolgte freiwillig. Wichtig dabei war, dass die Studierenden von allen Lehrveranstaltungen frei gestellt wurden und diesbezüglich auch keine Ersatzleitungen erbringen mussten. Die teilnehmenden Studierenden, in der Folge Explorers genannt, wurden von Lehrenden, benannt als Inquiry Coaches, während des Prozesses in deren Vorhaben unterstützt. Außerdem standen den Explorers höhersemestrige Studierende als Mentor/-innen zu Seite, die sich in ihrer Ausbildung mit dem AuRELIA - Konzept reflektiert auseinandergesetzt haben und die Explorers während der selbstbestimmt forschenden Tätigkeiten begleiteten. Durch das Angebot an Workshops in den jeweiligen Phasen des AuRELIA Epochendesigns konnten die Explorers die Gruppe für eine diskursive Auseinandersetzung ihrer jeweiligen Fragestellungen nutzen. Diese, den eigenen selbstbestimmten Forschungsprozess begleitenden Arrangements bilden Wedekind (2006) entsprechend einen "Ort, an dem zum Reflektieren von Lernprozessen herausgefordert wird".
Im Rahmen der Begleitforschung richtete sich das Erkenntnisinteresse auf die Prüfung der Reichweite des Konzeptes hinsichtlich der Ansprüche einer aktuellen Lernkultur (vgl. Hollick & Reitinger 2013). Im Zuge der Hypothesenformulierung wurden daher Konstrukte des aktuellen Bildungsdiskurses berücksichtigt (Forschender Habitus, selbstbestimmungsorientiertes Menschenbild, Motivation und Wirksamkeitserwartung).

Methode

Folgende Hypothesen standen im Fokus der Begleituntersuchung:
H1: Forschendes Lernen nach dem AuRELIA Epochendesign im Rahmen der Lehramtsausbildung erhöht den Forschenden Habitus partizipierender Studentinnen und Studenten.
H2: Forschendes Lernen nach dem AuRELIA Epochendesign im Rahmen der Lehramtsausbildung stärkt ein selbstbestimmungsorientiertes Menschenbild partizipierender Studentinnen und Studenten.
H3: Lehramtsstudierende bewerten Forschendes Lernen nach dem AuRELIA Epochendesign hinsichtlich der Dimensionen a) empfundene Kompetenz, b) Anstrengungsempfinden und c) Wertzuschreibung höher als konventionellen Unterricht.
Zur Erörterung der ersten Hypothese H1 wurde das Konstrukt des forschenden Habitus mittels einer Serie von zehn Items operationalisiert (Reitinger 2013, S. 182). Eine Skala zur Einschätzung des selbstbestimmungsorientierten Menschenbildes wurde zur Untersuchung der zweiten Hypothese H2 konsultiert.
Die in der dritten Hypothese H3 angeführten Konstrukte wurden durch Items aus dem Intrinsic Motivation Inventory (IMI; McAuley, Duncan & Tammen 1989) abgebildet. Hierbei handelt es sich um postinterventionelle Items, die die Bewertung eines Erfahrungskontextes im Sinne einer rückwärtigen Betrachtung ermöglichen. Für jedes der drei Konstrukte a) empfundene Kompetenz, Anstrengungsempfinden und Wertzuschreibung wurden vier Items aus der gesamten IMI-Batterie für die Untersuchung der dritten Hypothese herausgenommen. Als Untersuchungsdesign wurde ein Eingruppendesign mit insgesamt fünf Messwiederholungen gewählt. Die Treatment-Phase (Phase der Autonomen Wochen) konnte so mit zwei Baseline-Phasen verglichen werden.

Ergebnisse

Den Ergebnissen der vorgestellten Untersuchung schlussfolgernd, nimmt Forschendes Lernen nach dem AuRELIA Epochendesign einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des forschenden Habitus von Lehramtsstudierenden ein.
Weiters schätzen partizipierende Studierende motivationale Dimensionen, wie empfundene Kompetenz, Anstrengungsempfinden und Wert-zuschreibung hinsichtlich erlebter forschender Lernepochen im Vergleich zu konventionellen Lernerfahrungen signifikant höher ein. Eine positive Wirkung auf die Selbstbestimmungsorientierung des Menschenbildes kann zwar für die untersuchte Gruppe mit einer hohen Effektstärke bestätigt werden, eine Verallgemeinerung ist aus der Unter-suchung – vermutlich aufgrund der kleinen Stichprobe – jedoch nicht ableitbar.
Mit diesen Untersuchungsergebnissen finden das AuRELIA-Konzept sowie die Theorie der Forschenden Lernarrangements (TILA) eine weitere empirische Untermauerung, da die gesamte konzeptuelle Architektur von AuRELIA von dieser Theorie abgeleitet werden kann.
Aufgrund der kleinen konsultierten Untersuchungsgruppe erscheint es aber als sinnvoll, die Forschungsfragen im Zuge von Folgeprojekten wiederholt ins Auge zu fassen (z.B. durch Studienreplikation oder Stichprobenvergrößerungen).
Dissemination:
Reitinger, J. & Hollick, D. (2014). Forschender Habitus, selbstbestimmungsorientiertes Menschenbild und Forschendes Lernen. Die Wirksamkeit des theoriebasierten AuRELIA-Lernepochenkonzeptes im Rahmen der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung. In I. Benischek & A. Forstner-Ebhart(Hrsg.), Empirische Forschung zu schulischen Handlungsfeldern. Ergebnisse der ARGE Bildungsforschung an Pädagogischen Hochschulen in Österreich. Band 4, Wien und Berlin: LIT-Verlag.

Publikationen (+ link zum OBV)
  • McAuley, E., Duncan, T. & Tammen, V. V. (1989). Psychometric properties of the Intrinsic Motivation Inventory in a competitive sport setting. A confirmatory factor analysis. In Research Quarterly for Exercise and Sport 60(1). S. 48–58.
  • Hollick, D. & Reitinger, J. (2013). Informelles Lernen in der Gestaltung und Reflexion Forschender Lernarrangements. In A. Weinberger (Hrsg.), Reflexion im pädagogischen Kontext, S. 59-70, Wien und Berlin: LIT Verlag, S. 59-70.
  • Reitinger, J. (2013). Forschendes Lernen. Theorie, Evaluation und Praxis. Immenhausen bei Kassel: Prolog Verlag.
  • Wedekind, H. (2006). Lernwerkstätten – Orte der basisorientierten Schulentwicklung Vortrag vom 25.01.06 anlässlich der Lernwerkstatteröffnung in der Caspar-David Friedrich OS Berlin.
Hauptkategorie(n)Lehren und Lernen (Prozesse und Methoden)
Verhalten und Persönlichkeit
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