Beginnjahr 2013 Abschlussjahr 2015

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Ländercode Österreich Sprachcode Deutsch
Schlagwörter DeutschMedienpädagogik, Hollywood, Blockbuster
Abstrakt

Hollywoodpädagogik entwickelt eine Lesart von Blockbustern, die es ermöglicht, diese Filme so wahrzunehmen, dass sie Lehrenden Anregungen für Differenzwahrnehmungen bieten. Das zentrale Ziel dieser Studie ist es, die grundlegende Grammatik von Blockbusterfilmen zu dekodieren. Damit ist das Angebot verbunden, Blockbusterfilme – nach der Lektüre – bei Bedarf und/oder Möglichkeit sinnstiftend in Lehr-Lernszenarien implementieren zu können.

Es hat in den pluralen, flexiblen postindustriellen Gesellschaften den Anschein, dass Ethik und Moral zur Privatsache geworden sind. Blockbuster ermöglichen demgegnüber einen Zugang zu diesen Diskussionsfeldern, weil sie bei allen Schauwerten ethische und moralische Fragen mit diskutieren. Deshalb erscheint es wichtig, diese Filme lesen zu können. „Die Kulturtechnik ‚Film verstehen’ wird […] ebenso wie die Kulturtechnik ‚Lesen’ als eine Art Schlüsselkompetenz der Medien- bzw. Wissensgesellschaften im 21. Jahrhundert interpretiert“[1].

Die zentrale These zu dieser Frage lautet in dieser Arbeit: Blockbuster sind didaktisch höchst konsistent entwickelt und sie bilden pädagogisch gewendet, mindestens im ersten Teil einer Serie ab, wie das Lernen des Lernens im besten Humboldt’schen Sinne[1] didaktisch organisiert werden kann. Die Filme bieten also eine reichhaltige Palette Anschauungsmaterial an, mit denen sich didaktische Fragestellungen illustrieren lassen.



[1]Vgl. von Humboldt, 1996, XIII 262, 170



[1] Wiedemann, 2008, 391

Methode

Das Forschungsdesign der Studie untergliedert sich in zwei Schritte. Im ersten Schritt wird eine Grounded Theory entwickelt, die auf der Frage aufbaut: Stellen Blockbusterfilme Lesarten jenseits ihrer vielfach kolportierten ästhetischen Schauwerte zur Verfügung und wenn ja welche?

Grounded Theory bedeutet die Generierung eine Theorie mittlerer Reichweite, die auf der Grundlage von Daten basiert[1]. „Sie erlaubt auf der Basis empirischer Forschung in einem bestimmten Gegenstandsbereich, eine dafür geltende Theorie zu formulieren, die aus vernetzten Konzepten besteht und geeignet ist, eine Beschreibung  und Erklärung der untersuchten sozialen Phänomene zu liefern“[2]. Die Methode der Grounded Theory bietet sich hier zudem deshalb an, weil sie ein prozessuales Vorgehen erlaubt, ohne einen Anspruch auf Perfektion zu erheben[3] und jeder Form von Daten zugänglich ist, wobei diese sowohl zur Verifikation als auch zur Generierung von Theorie herangezogen werden können[4]. Dies scheint mir für diese Arbeit sinnvoll zu sein, da das Terrain der Narrationen von Blockbusterfilmen bislang nur relativ unscharf vermessen wurde und adäquate Theorien sich, wie im vorherigen Kapitel gezeigt, in erster Linie auf die kommerzielle Verwertbarkeit der äußeren Form, insbesondere auf die Vermarktung der Filme beziehen. Die Grounded Theory ermöglicht nun eine Generierung konzeptueller Kategorien auf einer Datenbasis, die in diesem Fall aus der Narration des Films gewonnen werden[1]. Die Narration des Films Star Wars Episode IV – Eine neue Hoffnung soll in diesem Schritt das Untersuchungsfeld sein, das hier mittels des offenen Codierens[2] interpretiert wird.

Im interpretativen Paradigma wird der Mensch „[…] als ein handelnder und erkennender Organismus verstanden. Er steht der Welt nicht gegenüber und reagiert auf sie, sondern das Individuum erzeugt vielmehr in Interaktionen mit anderen die soziale Wirklichkeit“[3]. Dieser Aspekt lässt sich für die Filmanalyse fruchtbar machen, denn auch die Filmproduktion ist ein interaktiver Prozess. Ohne das Interagieren und Ineinanderwirken von Drehbuch, Regie, Kamera, Schauspieler, Beleuchtung, Kostümen, Schnitt etc. kann kein Film produziert werden. Die ‚Filmschaffenden’ produzieren ein Produkt, das erstens durch eine Vielzahl von kreativen und (re-)produzierenden Interaktionen erzeugt wird. Diese Produktion findet zweitens in Reaktion auf die jeweilige Alltagswelt der Produzierenden statt. „Die Alltagswelt breitet sich vor uns aus als Wirklichkeit, die von Menschen begriffen und gedeutet wird und ihnen subjektiv sinnhaft erscheint“[4]. Ein Film und besonders ein von einer transnational operierenden Filmproduktionsfirma (z.B. 20th Century Fox, Disney, Dreamworks, Warner bros. etc.) produzierter Film, der darauf abzielt, einen substantiellen Gewinn zu erwirtschaften, ist ergo keine ‚creatio ex nihilo’, sondern ein Produkt sorgfältiger Planung, dessen Realisierung in Form des jeweiligen Films mit allen dazu gehörigen Begleiterscheinungen (vgl. dazu u.a. Monaco, J., 2002; Blanchet, R., 2003; siehe auch Kapitel 1). Begreift man also den Prozess der Filmproduktion als Abfolge sozialer Interaktionen, leuchtet es ein, den Film als Erkenntnisobjekt interpretativer Sozialforschung anzunehmen, denn der fertige Film ist ein Produkt sozialer Interaktionen.

 

Im zweiten Untersuchungsschritt der Studie ca. ein Fünftel der Blockbusterfilme aus der Liste der ‚Box-Office Top 100 Films of all Time‘[1] ausgewählt, die mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse induktiv auf die Verifikation oder Falsifikation der These hin überprüft werden, ob sich das Modell der Heldenreise auch bei weiteren Blockbusterfilmen nachzeichnen lässt. Die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse erscheint mir für diese Prüfung adäquat, da sie „[…] sich für eine systematische, theoriegeleitete Bearbeitung von Textmaterial“ [2] eignet. Hinzu kommt, dass die Methode es erlaubt, auch große Mengen Textmaterial zu bearbeiten[3].

 

In diesem zweiten Analyseschritt wird überprüft, ob sich Blockbusterfilme auch als Lernprozesse lesen lassen. Die zentralen Fragestellungen des zweiten Schrittes thematisieren also das Lernen der Helden und das Handeln in ihren Lernszenarien. Denn wenn die Helden der Blockbusterfilme tatsächlich Lernende sind, stellen sich früher oder später die Fragen danach,

-         wie ihr Lernszenario gestaltet ist,

-         welche Dichotomien in ihrem Lernszenario zu transzendieren sind und

-         welche Erkenntnisse u.U. daraus für das Lernen und die Gestaltung von Lehr-Lernprozessen zu gewinnen sind?

Ergebnisse

Unter pädagogischer Perspektive lässt sich festhalten, dass Blockbusterfilme Lernprozesse abbilden, die deutlich machen, wie gelernt werden kann, wenn ein Lernprozess ideal verläuft. Sie zeigen, dass ein idealer Lernprozess ein kreativer Prozess ist und dass ein so durchlaufener Prozess automotivierend ist sowie dieser Prozess das Lernen des Lernens fördert.

Die Heldenreise im Blockbusterfilm lässt sich als ein metadidaktisches Prinzip lesen, also als ein Instrument, das in der Lage ist, Zugänge zu Lernprozessen zu transzendieren und sie dabei anschaulich für jedermann werden zu lassen. Aufgrund der großen Verbreitung der Blockbusterfilme setzt sie zudem auf ein weit verbreitetes Wissen auf und bietet somit breite Anschlussmöglichkeiten für die pädagogische Arbeit.

Mit Blockbusterfilmen lässt sich erstens objektiv veranschaulichen, wie ein gelingender Lernprozess ablaufen kann. Zweitens bietet sie Lehrenden Orientierung, indem sie zu zeigen vermag, welche didaktischen Instrumente für welche Phase eines Lernprozesses sinnvoll erscheinen können. Sie kann aber auch drittens den Lernenden als Navigationsinstrument dienen, wenn sie nach Orientierung in eigenen unübersichtlich gewordenen Lernprozessen suchen.

 

 

Erhebungstechniken und Auswahlverfahren

Welche Filme kommen für die Untersuchung in Frage und welches Kriterium müssen sie erfüllen. Das vgewählte Kriterium ist das des weltweiten Einspielergebnisses eines Spielfilms. Dieses Kriterium wurde deshalb gewählt, weil die Einspielergebnisse dieser Filme mit ihren Umsatzzahlen dafür herangezogen werden können, um zumindest ungefähr zu ermessen, wie viele Menschen einen Film gesehen haben und welche Reichweite sie damit entwickeln können[1]. Als Ankerpunkt für die Untersuchung dient die von filmsite.org veröffentlichte und regelmäßig aktualisierte Liste der Top 100 der global erfolgreichsten Blockbuster nach ihrem weltweiten Einspielergebnis[2].

Selbstverständlich ist diese Liste fluide, da jedes Jahr neue Filme veröffentlicht werden, die weltweit erfolgreich sind und Plätze in dieser Liste einnehmen. Dennoch ist die Liste der Top 100 Blockbuster nicht so fluide, das sie jährlich komplett neu zusammengestellt würde. Star Wars Episode IV – Eine neue Hoffnung firmiert zwar am 21.03.2013 beispielsweise ‚nur’ noch auf Platz 43 der Liste. Im Jahr 2012 befand der Film sich noch auf Platz 40. Trotzdem ist das Ergebnis für Star Wars ein nicht unbeachtliches für einen Film, der inzwischen mehr als 37 Jahre alt ist[3].

Jedes Jahr halten ungefähr drei bis fünf neue Filme Einzug in die Liste. Im Jahr 2012 hielten Marvel’s The Avengers, The Dark Knight Rises und Ice Age: Continental Drift Einzug in die Liste, im Jahr 2013 traten unter anderem Iron Man 3 und Frozen, Thor: The Darkworld und The Croods, The Hobbit: The Desolation of Smaug hinzu[4].

Aus der Liste der Top 100 der weltweit erfolgreichsten Blockbuster aller Zeiten werden für die Untersuchung Filme ausgewählt, die die Grundlage der weiteren Untersuchung bilden. Dabei werden  fast ausschließlich Filme gewählt, die Unikate sind oder die den ersten Teil einer Serie markieren. Die Entscheidung für diese Filme wurde deshalb getroffen, weil die Heldenfiguren in den Narrationen dieser Filme noch am Anfang ihrer Heldenkarriere stehen und entsprechend unerfahren sind[5]. Damit soll der Effekt betont werden, dass aus diesen Filmen die Lernpotenziale der Helden am deutlichsten hervorscheinen.



[1] Ein Beispiel: Der Film Avatar (Cameron, 2009) erzielte im Jahr seiner Veröffentlichung einen weltweiten Umsatz US $ 2.782.275.172 (vgl. Box Office Mojo, Alltime Box Office [URL]: http://www.boxofficemojo.com/alltime/, (Stand: 18.03.2014)). Bei einem angenommenen Ticketpreis von US $ 7,50 im Jahr 2009 (vgl. Box office Mojo, Adjusting for ticket price inflation [URL]: http://boxofficemojo.com/about/adjuster.htm, (Stand: 18.03.2014) hätten 370.970.023 Personen den Film in dem Jahr allein im Kino gesehen. Die Zweit- und Drittverwertung des Films ist dabei noch nicht mitgerechnet.

[2] Vgl. Box-Office Top 100 Films of all Time, [URL]: http://www.filmsite.org/boxoffice.html, (Stand: 21.03.2013).

[3] Weitere Listen mit Zugriffen auf die Seiten zu unterschiedlichen Zeitpunkten finden sich im Anhang. Da die Seiten die Einspielergebnisse berechnen, möchte ich hier ergänzen, dass der Eintrittspreis für eine Kinokarte regelmäßig angehoben wird. Durch die Einführung des 3D-Kinos mit Avatar im Jahr 2009 konnten beispielsweise mit jeder Kinokarte noch höhere Preise realisiert werden, da für jede Karte in einem 3D-Film grundsätzlich ein höherer Preis veranschlagt wird. Dieser Umstand dürfte auf die Inflationsbereinigung der Liste keinen Einfluss haben.

[4]Die Ergebnisse, die auf der Web-Seite filmsite.org präsentiert werden, korrespondieren mit den Ergebnissen, die auf der Seite von Box Office Mojo präsentiert werden [URL]: http://boxofficemojo.com/alltime/world/, (Stand: 17.03.2014).

[5] Die Ausnahme von dieser Regel stellt Indiana Jones und das Königreich der Kristallschädel (Spielberg, 2008) dar. In diesem Film wird die Figur des Henry ‘Mutt’ Williams als junger Held eingeführt und Indiana Jones übernimmt mehr oder weniger freiwillig die Rolle seines Mentors.

Publikationen (+ link zum OBV)
  • Walden, Thomas (2015). Hollywoodpädagogik - wie Blockbuster das Lernen des Lernens organisieren. Kopaed. München
    Link zum Bibliotheken Verbund
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