Beginnjahr 2012 Abschlussjahr 2014

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durchführende Institutionen

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ProjektleiterInnen MitarbeiterInnen
Ländercode Österreich Sprachcode Deutsch
Schlagwörter DeutschMigrationsgesellschaft, Erwachsenenbildung, Fachkräfte
Abstrakt

Angehörige der zweiten Generation von MigrantInnen als Fachkräfte in der Erwachsenenbildung

Projektmitarbeiter/inn/en

 

Ao.Univ.-Prof. Dr. Annette Sprung, Mag. Brigitte Kukovetz, Wolfgang Gulis

 

„Angehörige der zweiten Generation von Migrant_innen als Fachkräfte in der Erwachsen-enbildung“ ist ein anwendungsorientiertes Forschungsprojekt, das sich mit der Frage beschäftigt, wie Menschen der sogenannten 2. Generation – mit Migrationserfahrung und -geschichte – als Fachkräfte in der Erwachsenenbildung repräsentiert sind und welche strukturellen Bedingungen den Zugang zum Berufsfeld der Erwachsenenbildung erschweren oder ermöglichen.

Zielsetzungen

mig2eb versteht sich als Beitrag zu einer ressourcenorientierten Wahrnehmung und zur Entfaltung der Potenziale einer Migrationsgesellschaft. Wir möchten Strategien entwickeln, um den Anteil von qualifizierten Angehörigen der so bezeichneten 2. Generation in Aus- und Weiterbildung für pädagogische Berufsfelder zu erhöhen und Zugangsbarrieren abzubauen.

Auf Basis der Forschungsergebnisse sollen Prozesse der Interkulturellen Öffnung befördert werden, um Chancengerechtigkeit im Bereich der Erwachsenenbildung/Weiterbildung zu verwirklichen.

Die Forschungsaktivitäten im Rahmen des Projekts sind überwiegend qualitativ orientiert. Sie münden in die Entwicklung eines Kriterienkatalogs und beinhalten eine Evaluierung bestehender Bildungsarrangements der Projektpartner_innen.

Das Projekt legt großen Wert auf den Austausch und Wissenstransfer. Dies wird durch eine Veranstaltung (Expert_innenworkshop) und eine Forschungswerkstatt sichergestellt. Der Transfer in die Praxis wird durch Fokus- und Transfergruppen gewährleistet. Zum Abschluss des Projektes wird im Frühjahr 2014 eine Konferenz stattfinden und eine Publikation zu den Forschungsergebnissen herausgegeben.

 

Das Projekt wird mit den Projektpartner_innen: Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB) und dem Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) durchgeführt und ist aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) gefördert.

 

Methode

Angaben zur Methodologie:

 

Das Projekt mig2eb bearbeitet ein theoretisch und empirisch in dieser Spezifität kaum bearbeitetes Feld. Durch das Zusammenspiel verschiedenster Fragestellungen (Diversität, interkulturelle Öffnung, Organisationsentwicklung, Diskriminierungen und Rassismen, biographische Verläufe)  weist der Gegenstand eine Differenziertheit auf, der deduktive Methodologien nicht gerecht werden können. (Vgl. Flick 1998). Deshalb orientiert sich das Projekt überwiegend an partizipativen und qualitativen Forschungsansätzen.

 

 Transdisziplinärer Ansatz

 

     Dialog unterschiedlicher Wissensformen

 

Workshops und Forschungswerkstätte

 

        Quantitative Daten

 

Fragebögen, Sonderauswertung Studierendensozialerhebung

 

              Qualitative Daten

 

Interviews (Fachkräfte mit Migrationsgeschichte, weitere Bildungs- und Migrationsexpert_innen)

 

Fallstudien in drei Institutionen, good practice

 

Im Rahmen des partizipativen Methodenansatzes wurde eine Forschungswerkstätte mit insgesamt zehn Teilnehmerinnen über ein Jahr geführt, deren Teilforschungen in das Gesamtforschungsprojekt eingeflossen ist.

 

Ergebnisse

Ergebnisse:

 

·         Es zeigt sich eine generelle Unterrepräsentation von Menschen mit Migrationsgeschichte als Fachkräfte der Erwachsenenbildung. Personen aus Drittstaaten sind besonders davon betroffen sind. In Organisationen, die sich stärker mit den Themen der Diversität der Migrationsgesellschaft auseinandersetzen, sind Menschen aus Drittländern jedoch stärker repräsentiert.

 

·         Die Unterrepräsentation betrifft die 1. und 2. Generation von Menschen mit Migrationsgeschichte in etwa gleichem Ausmaß. In der 1. Generation bilden sich vor allem jüngere Personen in der Erwachsenenbildung aus- oder fort. In der 2. Generation sind es eher Menschen zwischen 36 und 55 Jahren. 

 

·         Sogenanntes soziales Kapital scheint für den Berufseinstieg und das berufliche Fortkommen in der Erwachsenenbildung relevant.

 

·         Ebenso wenig kann das „kulturelle Kapital“ von Personen mit Migrationsgeschichte per se als Ressource verwendet werden. Im Gegenteil stellt sich diese „Vermarktung“ als kontextabhängig und risikoreich dar. Fachkräfte in der Erwachsenenbildung gehen unterschiedlich damit um, da die „(Nicht)-Verwertbarkeit“ von der Mehrheitsgesellschaft definiert wird und die Gefahr einer Selbstethnisierung besteht.

 

·         Bei Menschen mit Migrationsgeschichte der 2. Generation wird dieses zugeschriebene Merkmal wenn dann als Zuschreibung identifiziert, aber selten mit der Eigendefinition in Verbindung gebracht. Ebenso wenig wie die Einwanderungsbiografie der Eltern werden sozioökonomische Faktoren als Einflussgröße für die berufliche Laufbahn von Fachkräften in der Erwachsenenbildung genannt.

 

·         Mehrsprachigkeit wird in Österreich in geringem Ausmaß wertgeschätzt und wenn nur auf Basis perfekter Deutschkenntnisse goutiert.

 

·         Migrantische Selbstorganisationen sind ein wichtiges Korrektiv und haben Erfahrung in der organisationalen Reflexion von Diskriminierung und Rassismus und im täglichen Umgang mit heterogenen und unterschiedlichen Teams. Außerdem bringen sie Innovationspotenzial mit, das traditionelle Erwachsenenbildungseinrichtungen nutzen könnten.

 

·         Kompetenzaufbau im Feld der „interkulturellen Öffnung“ passiert am einfachsten über Kooperationen zwischen migrantischen Selbstorganisationen und traditionellen Erwachsenenbildungseinrichtungen – je partizipativer, demokratischer, weniger hierarchisch, desto einfacher ist Austausch und Reflexion möglich.

 

Erhebungstechniken und Auswahlverfahren

Erhebungstechniken:

 

  • Literaturanalyse
  • Einbindung von Stakeholdern, ExpertInnengruppen
  • Workshop mit ExpertInnen
  • Sekundäranalysen
  • Empirische Erhebungen: qualitative Interviews (problemzentrierte und/oder leitfadengestützte Interviews, evtl. Gruppeninterviews, ExpertInneninterviews);
  • quantitative Erhebungen (Fragebögen),
  • Partizipative Forschung: Forschungswerkstätte
  • Analyse und Auswertung der Daten (Grounded Theory – rekonstruktiv-interpretative Verfahren, evtl. diskursanalytische Auswertung)
  • Darstellung der Ergebnisse (u.a. Konferenzen, Abschlusstagung)
  • Erarbeitung von praxisrelevanten Handlungsschritten in Kooperation mit den Projektpartnern
  • Publikation

 

Auswahlverfahren:

 

Im Projektverlauf wurden bisher folgende Erhebungen durchgeführt:

 

·                Qualitative leitfadengestützte Interviews mitMitarbeiter_innen der wba (Weiterbildungsakademie, http://wba.or.at) und ö-cert (http://oe-cert.at)

 

·                Fachkräften mit Migrationsgeschichte in Wien und Graz

 

·                Geschäftsführungen und Mitarbeiter_innen von Migrant_innen-Selbstorganisationen, die im Feld der Erwachsenenbildung tätig sind

 

·                Mitarbeiter_innen von NPOs mit Expertise zur Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft

 

·                Expert_innen im Feld Diversity Management und Interkulturelle Öffnung

 

·                Quantitative Kurzbefragung zum familiären Hintergrund und teilweise zum Bildungs- und Berufsverlauf in folgenden Einrichtungen/Lehrgängen

 

·                Universitätslehrgang Erwachsenenbildung an der Universität Klagenfurt

 

·                Master- und Doktoratsstudium Erwachsenenbildung in Klagenfurt

 

·                Pädagogikstudium (Bachelor, Master, Doktorat) in Graz

 

·                Fallanalyse bifeb)

 

·                Lehrgänge von Weiterbildungseinrichtungen.

 

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