Beginnjahr 2006 Abschlussjahr 2009

Institutionen

durchführende Institutionen

Personen

ProjektleiterInnen MitarbeiterInnen
Ländercode Österreich Sprachcode Deutsch
Schlagwörter DeutschKartographie, Geschichte Österreich 1918-1945, Wissenschaftsgeschichte
Abstrakt

Ziel des Projektes war es, die Kontinuitäten und Wandlungen von Kartographie und Raumforschung in Österreich von 1918 bis 1945 im Hinblick auf Verbindungen zur Politik, Interdisziplinarität und Methodenentwicklung (Stichwort: Raum als Konstrukt) zu untersuchen. Themenschwerpunkten waren erstens die Identifizierung der Initiatoren der Karten sowie das Verhältnis dieser raumwissenschaftlich-kartographisch arbeitenden Gelehrten zur Politik, zweitens die Kontinuitäten und Wandlungen der Zusammenarbeit unter unterschiedlichen Gelehrten und Institutionen, die zwischen 1918 und 1945 entstandenen Netzwerken und Veränderungen im Bereich der Darstellungsmethodik.

Ergebnisse

Als Ergebnis konnte festgestellt werden, dass zwischen 1918 und 1945 fast die gesamte thematische Kartographie politisch ausgerichtet war und die Vernetzung zwischen unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen und Institutionen vor allem ab der Etablierung der Raumforschung als eigenständige Wissenschaftsdisziplin während der 1930er Jahre stark an Bedeutung zunahm. Ein Wandel setzte in dieser Hinsicht nicht erst mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ein. Vielmehr ist zu diesem Zeitpunkt eine neue Etappe dieses andauernden Prozesses der politischen Einbindung zu erkennen, der mit dem  Zerfall der Habsburgermonarchie 1918/19 begann und sich durch die Berufung Hugo Hassingers auf den Lehrstuhl für Kulturgeographie der Universität Wien sowie die Gründung der Südostdeutschen Forschungsgemeinschaft im Jahre 1931 beschleunigte.

Während der NS-Herrschaft kam es neben einer Intensivierung von Tendenzen, die sich bereits vorher abgezeichnet haben, auch zu neuen thematischen Schwerpunkten, zu einer noch intensiveren Verbindung zwischen Raumforschung, Kartographie und Politik sowie zur Etablierung neuer Netzwerke. Mit den raumorientierten kartographischen Studien wurden für das Deutsche Reich neue Siedlungs- und Wirtschaftsräume erschlossen und Umsiedlungsaktionen geplant. Diverse Aussagen in verschiedenen größtenteils unveröffentlichten Berichten und Briefen zeigen deutlich, dass eine politische Ausrichtung der in der Ostmark erarbeiteten thematischen Karten und sonstigen raumorientierten Studien explizit beabsichtigt war, und mit ihnen ein Beitrag zur „Lebensraumpolitik“ der Nationalsozialisten geleistet werden sollte. Die Initiativen zur Erarbeitung eines für die Politik relevanten Themas gingen dabei nicht allein von NS-Politikern und -behörden aus, sondern oftmals von den auf diesem Gebiet arbeitenden Wissenschaftlern selbst, die als bewusst handelnde Subjekte freiwillig ihre Forschungsergebnisse den NS-Politikern ohne Aufforderungen zur Verfügung stellten. Die Ergebnisse des Projektes unterstreichen die bislang unterschätzte Bedeutung Wiens als Stützpunkt der Südostforschung und der dabei entstandenen Netzwerke. Eine zentrale Rolle spielten dabei vor allem Hugo Hassinger und Wilfried Krallert, der ein eigenes Forschungsnetzwerk aufbaute.

Hauptkategorie(n)Bildungsinhalt (Themenfeld)
Soziales Umfeld (Gesellschaft, Kultur, Sprache und Religion)
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