Beginnjahr 2013 Abschlussjahr 2015

Institutionen

durchführende Institutionen übergeordnete/aktuelle Institutionen

Personen

ProjektleiterInnen
Ländercode Österreich Sprachcode Deutsch
Schlagwörter DeutschEvaluation, kognitive Entwicklung, BMHS, Schularbeiten
Abstrakt

In Kooperation mit einer österreichischen BMHS wurden die Schularbeitsangaben aller Klassen HAS, HAK und Aufbaulehrgang in Betriebswirtschaft eines Semesters auf ihr kognitives Anspruchsniveau hin untersucht und auf Basis der Taxonomietabelle von Anderson & Krathwohl taxiert. Als empirisches Material dienten neben den Schularbeitsangaben die verwendeten Schulbücher sowie Lehrer- und Schülerfragebögen mit subjektiven Einschätzungen des Bekanntheitsgrades der Inhalte und der erforderlichen Denk- bzw. Lernleistungen zur Lösung der Aufgaben.

Die Auswertung der Fragebögen und Taxierung der Angaben wurde von Studierenden im Rahmen zweier Lehrveranstaltungen zu „Schulischer Leistungsbeurteilung“ durchgeführt, die Gesamtauswertung und Interpretation der Ergebnisse erfolgt durch den Lehrveranstaltungsleiter.

Ziel des Projektes ist es, Aufschluss über die kognitive Anspruchsstruktur von Schularbeiten an BMHS zu erlangen und die kooperierende Schule in ihrem Bemühen um angemessene Leistungsfeststellung zu unterstützen.

Methode

 

Jede Aufgabe wurde in jeder Lehrveranstaltung von zwei Studierenden zunächst einzeln bewertet und die Einschätzung jeweils begründet. Bei Abweichungen mussten sich die Studierenden in einem begründenden Diskurs auf eine gemeinsame Gruppentaxierung einigen. Die Studierenden konnten, um Verzerrungen aufgrund der fehlenden Kenntnis des Unterrichtsgeschehens zu entschärfen, auch auf die verwendeten Schulbücher und auf Fragebögen zurückgreifen. In diesen schätzten Lehrkräfte sowie Schüler/innen jede Aufgabe nach Bekanntheitsgrad (von 1 = Inhalte vollständig bekannt bis 3 = Inhalte gänzlich unbekannt) und, nachdem auch unbekannte Inhalte etwa über bekannte Rechenverfahren völlig routinisiert behandelt werden können, nach dem Verhältnis von benötigter Lern- zu „reiner“ Denkleistung (von L 100: D 0 bis L 0 : D 100) ein. Wo die angemessene Taxierung immer noch uneindeutig blieb, konnte eine Aufgabe zwei Zellen zugeordnet werden. Doppelzuordnungen wurden durchgängig getrennt erfasst, sodass sich zwei „Taxierungsniveaus“ ergaben. Bei unterschiedlichen Gruppentaxierungen aus den zwei Lehrveranstaltungen entschied der Lehrveranstaltungsleiter in einer Endtaxierung unter Beibehaltung der beiden Taxierungsniveaus.

 

Ergebnisse

 

Betrachtet man die Ergebnisse zunächst getrennt nach Dimensionen, so fällt auf, dass der überwältigende Anteil der Aufgaben (83,68%) in der Dimension „kognitive Prozesse“ den ersten drei, weniger komplexen Prozesstypen zugeordnet wurde: 27,55 % dem Erinnern (e), 33,67 % dem Verstehen (v) und 16,88 % dem Anwenden (aw); lediglich 3,67 % dem Analysieren (an), 9,80 % dem Bewerten (b) und 2,86 % dem Kreieren (k). Eine ähnlich verlaufende, aber noch pointiertere Verteilungskurve zeigt die Dimension „Wissen“: 25,10 % Faktenwissen (Fw), 55,92 % Konzeptwissen (Kw), 18,37 % Verfahrenswissen (Vw) und lediglich 0,61 % Metakognitives Wissen (Mw). Bezieht man jedoch das zweite Taxierungsniveau mit ein, das vor allem bei Indizien für hohe Analogien zu Unterrichtsaufgaben zugeordnet wurde, verschiebt sich die Verteilung der Aufgaben spürbar weiter in Richtung geringerer Komplexität und Abstraktion (e: 47,14 %, v: 24,49 %, aw: 21,22 %, an: 2,65 %, b: 3,67 %, k: 0,82%; Fw: 41,22 %, Kw: 43,67 %, Vw: 15,10 %, Mw: 0 %).

 

Eine Aufschlüsselung der Ergebnisse auf Ebene einzelner Matrixzellen zeigt allerdings, dass diese Verschiebung nur unzureichend als eine Verengung des Aufgabenspektrums verstanden werden kann.Es handelt sich vielmehr auf beiden Taxierungsniveaus um das beinahe idente Muster, bei dem sich jeweils knapp 70% der Aufgaben auf dieselben drei Typen verteilen (Fakten erinnern, Konzept verstehen, Verfahren anwenden) (bzw. knapp 90% auf dieselben sechs: + Konzept erinnern, anwenden, bewerten). Die Taxierungen verschieben sich zwar in nennenswertem Ausmaß, aber höchst punktuell zwischen diesen Typen und zwar im Wesentlichen von Konzept bewerten, anwenden und verstehen hin zu Konzept und Fakten erinnern (als ein Indiz, dass Zusammenhänge lediglich als Sachverhalte reproduziert werden). Das Verlaufsmuster ist also in seiner Struktur augenscheinlich unabhängig von den aus der Unkenntnis des Unterrichtsgeschehens entstandenen Taxierungsunsicherheiten, und es wiederholt sich in hoher Beständigkeit in allen Schultypen, Jahrgängen und Klassen, – wenn auch mit quantitativen Verschiebungen in der Verteilung zwischen diesen drei bis sechs Aufgabentypen. Die restlichen aus der Taxonomie ableitbaren Typen bleiben jeweils weitgehend marginalisiert.

 

Erhebungstechniken und Auswahlverfahren

 

 

Taxiert wurden alle Schularbeitsaufgaben im Unterrichtsgegenstand Betriebswirtschaft (in der HAS wurden Schularbeiten der Gegenstände „Betriebswirtschaft, Wirtschaftliches Rechnen, Rechnungswesen“, „Betriebswirtschaftliche Übungen einschließlich Übungsfirma“ sowie „Betriebswirtschaft einschließlich volkswirtschaftliche Grundlagen“ herangezogen) im Sommersemester 2014 an einer kaufmännischen Schule in HAK, HAS und AL in beiden Dimensionen der Taxonomie nach ANDERSON & KRATHWOHL, wobei Teilaufgaben mit –in der Einschätzung der jeweiligen Lehrkraft – abweichendem kognitivem Anspruchsniveau als eigenständige Aufgaben behandelt wurden. Somit ergaben sich bei 27 Schularbeiten 490 zu taxierende Aufgaben.

 

 

 

Publikationen (+ link zum OBV)
  • Steger, Martin (2015). Zum kognitiven Anspruchsniveau von Aufgaben im betriebswirtschaftlichen Unterricht. Am Beispiel von Schularbeitsaufgaben an einer österreichischen HAK/HAS. wissenplus, 33 (5-14/15), 53 – 56.
Hauptkategorie(n)Lehren und Lernen (Prozesse und Methoden)
Evaluation und Beratung
Bildungsinhalt (Themenfeld)
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